Leserpost : Die Situation Niederfeldsee

Wir haben am Wochenende einen Artikel von einem Altendorfer bekommen, der über ein Erlebnis am Niederfeldsee berichtet. Diesen Bericht hat er mit Bildern dokumentiert. Wie immer sagen wir uns, dass wir auch solche Meinungen über den Stadtteil abbilden werden und wollen. Die Meinungen in diesem Artikel spiegeln nicht die Meinung der Redaktion wieder. Der Name des Autors dieses Artikels liegt uns vor.

Donnerstag, 24.07.2014 am Niederfeldsee in Essen Altendorf

Niederfeldsee AltendorfDer See ist an seinen Grenzen immer noch eingezäunt. Ein junges Paar vergnügt sich in dem rechteckigen Teil des Sees lautstark mit einem Wasserball und lässt ihn vergnügt über die Wellen gleiten. Die Handtücher liegen auf den Betonplatten. Vor mir stinkt in Ufernähe ein grüner Algenteppich, aus dem zwei Bierflaschenhälse herausragen, die den gemeinsamen Tanz auf dem Wasser aufnehmen wollen. Wie viele Flaschen bereits vollgelaufen sind und sich am Grund aufhalten, diesen Blick lässt das trübe Wasser nicht zu. Auf der rechten Seite hat sich ein Graffiti-Sprayer mit einer quadratmetergroßen Schwarz-Weiß Zeichnung verewigt. Die rote Brücke wackelt. Von ihr springen fünf Halbwüchsige zwischen 10 und 12 Jahren unentwegt, bekleidet mit Unterhosen, lautstark, und mit dem Gebaren- wenn, dann muss ich schon gesehen und gehört werden, mit allerlei Verrenkungen ins Wasser, schwimmen oder gehen wieder ans Ufer und wiederholen den Sprung, unentwegt. Das Badeverbotsschild ist abgeknickt. An dem ovalen Teil des Sees ist ein junges Pärchen stetig dabei, seinem Schäferhund einen armdicken Ast ins Wasser zu werfen, den der Hund wieder ans Ufer zurückbringt. Mit jedem Sprung ins Wasser verliert die Uferböschung Teile ihrer Pflanzen, die an einigen Stellen sogar in voller Blüte stehen. Rauchschwaden steigen auf. Im hinteren Bereich des Sees wird die Holzkohle für den Grill angeblasen. Auch hier spielen Kleinkinder im Wasser und obwohl die Sonne noch sehr kräftig scheint, laufen auch Kleinstkinder nackend am Ufer herum. Einige Personen vergnügen sich beim Kartenspiel, andere haben ihre Picknickdecken ausgebreitet und genießen auf dem Rücken liegend die Nachmittagssonne.

Uferböschung Niederfeldsee EssenHier und da wird auch Fußball gespielt. Die erst jungen Wiesen sind die Herberge von allerlei Unrat, der im ungünstigsten Fall durch den Wind und der schon fehlenden Uferbegrünung in den See geweht wird. Es haben sich schon Trampelpfade gebildet, die von den Landschaftarchitekten so nicht geplant waren. Abfalleimer sind keine aufgestellt. An vielen gepflasterten Stellen des Sees hat sich bereits Unkraut den Weg durch die Fugen erkämpft. Und wirklich im hinteren Bereich des Sees schwimmen mehrere Luftmatratzen auf dem Wasser, sogar eine doppelt so große wie normal. Jetzt hat ein weiterer Hundehalter den Durchschlupf durch den stählernen Bauzaun entdeckt und lässt im rechteckigen See seinen Hund ein ausgiebiges Bad nehmen, dem es augenscheinlich gefällt. Auf der roten Brücke wird es eng, Radfahrer treffen mit hoher Geschwindigkeit auf entgegenkommende Zweiradfahrer, einige Fußgänger schlendern über die Brücke, andere lehnen sich ans Geländer, um eine bessere Aussicht zu haben, Jogger von beiden Seiten und die fünf halbwüchsigen Kinder sind immer noch dabei, von der Brücke zu springen und auf dem schnellsten Weg durch das Wasser wieder in eine Sprungposition auf die Brücke zu kommen.

Die Balkone der Neubauten in Ufernähe sind an diesem Nachmittag gut besucht. Welch ein Ausblick für mehr als eintausend Euro Kaltmiete für eine Dachgeschoß-wohnung. Wie friedlich sieht alles, auf dem hier noch hängenden Baustellenschild aus. Ein ruhiger See, an dessen Ufer disziplinierte Spaziergänger schweigend auf den Betonstufen sitzen und dem stillen Wasser lauschen. Ich war früher schon einmal am See, als er noch nicht ganz voll war und habe einige Enten gesehen. Die sind schon geflohen. So stelle ich mir die Zukunft meines Altendorfs nicht vor.

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